2024-06-14 15:08:26
Scheitern hat Konjunktur. Und das nicht erst, seit Michael Jordan mit Verweis auf 9000 verschossene Würfe und 300 Niederlagen schlussfolgerte: „Ich habe immer wieder versagt. Und deshalb bin ich erfolgreich.“ Wer nichts von Basketball versteht, hätte glatt meinen können, die 12.192 Treffer und 706 Siege hätten seinen Erfolg ausgemacht.
Sei’s drum, Nachricht angekommen: Man wächst an Rückschlägen. Das Mantra zieht sich durch „Fuckup Nights“, wo Erfolgreiche von Misserfolgen erzählen, und die ständige Forderung nach einer „Kultur des Scheiterns“, gerne mit Verweis auf die USA, wo man weiter sei.
Ausgerechnet dort haben elf Experimente nun gezeigt: Scheitern ist überbewertet. So gingen Befragte davon aus, dass angehende Anwälte und Pflegekräfte Prüfungen beim zweiten Anlauf eher bestehen (tun sie nicht), dass Patienten nach einem gesundheitlichen Notfall gesünder leben (tun sie nicht) und dass Gescheiterte ihre Misserfolge als Lehren verstehen (tun sie nicht). Das ist im „Journal of Experimental Psychology“ nachzulesen.
Scheitern ist schlecht für’s Ego. Viele blenden es aus.
Offensichtlich liegen all die Motivationsgurus daneben. Nur weil man eine Medizinprüfung vergeigt, ist man nicht unbedingt einen Schritt näher dran, der nächste Albert Schweitzer zu werden. Versagen macht niemanden automatisch zu einem besseren Menschen. Manche macht es nur zu Versagern. Scheitern ist nämlich schlecht für’s Ego. Darum blenden es viele aus.
Wer jetzt denkt: „Eben deshalb brauchen wir eine Kultur des Scheiterns!“, der sollte folgendes Ergebnis der Studie kennen: Erfuhren die Befragten von den wahren (niedrigen) Erfolgsquoten nach dem Scheitern, sprachen sie sich dafür aus, Hilfe eher Menschen in Not wie etwa Drogenabhängigen zukommen zu lassen – und mit Hilfe sind in dem Fall keine glorifizierenden Geschichten über diejenigen gemeint, die ihr Scheitern als Lehre verstanden haben.
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